Komponistinnen-Festival Tübingen | 29. Sept.-8. Okt. 2023

Swen Marcel © Universitätsstadt Tübingen

Swen Marcel © Universitätsstadt Tübingen

Josephine Lang und ihre Zeitgenossinnen: Tübingen veranstaltet zehntägiges Komponistinnen-Festival

Die musikalischen Werke von Frauen sind in den Programmen des klassischen Konzertbetriebs bis heute deutlich unterrepräsentiert. Die Universitätsstadt möchte dies ändern und widmet der Musik sowie den Lebens- und Schaffensumständen von Komponistinnen ein zehntägiges Musikfestival. Der Schwerpunkt des Komponistinnen-Fests, das vom 29. September bis zum 8. Oktober 2023 stattfindet, liegt im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen die Tübinger Komponistin Josephine Lang und drei ihrer Zeitgenossinnen: Emilie Mayer, Luise Adolpha le Beau und Ethel Smyth.

„Die Gleichberechtigung hat seit dem 19. Jahrhundert viele Fortschritte gemacht. Doch leider ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass die Leistungen von Frauen und Männern die gleiche Wertschätzung erfahren. Das Komponistinnen-Fest soll einen starken Beitrag dafür leisten, diese Vorbehalte auch auf dem Gebiet der klassischen Musik zu überwinden“, sagt Dr. Daniela Harsch, Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur der Universitätsstadt Tübingen. „Und es soll dem Publikum, aber auch den Musikerinnen und Musikern Mut machen, sich auf das Werk dieser bewundernswerten Frauen einzulassen – großartige Musik, die es verdient, ihren festen Platz in den Konzertprogrammen einzunehmen.“

Konzeption

Für die Konzeption und Organisation des Komponistinnen-Festivals haben erneut die Akteur*innen zusammengefunden, die bereits beim Bachfest 2018 gemeinsam gewirkt haben: Der städtische Fachbereich Kunst und Kultur, die Eberhard Karls Universität, die Hochschule für Kirchenmusik und das Kantorat der Stiftskirche Tübingen, vertreten durch Kulturmanager und Projektleiter Matthias Ehm, Universitätsmusikdirektor Philipp Amelung, den neuen Rektor der Kirchenmusikhochschule Thomas J. Mandl sowie Stiftskirchenkantor und Kirchenmusikdirektor Ingo Bredenbach. Neu im Team ist die Musikwissenschaftlerin Anna Magdalena Bredenbach, die ihre Expertise im Forschungsbereich Musik und Gender einbringt. Sie ist Akademische Rätin an der Universität Erfurt und mit Beiträgen unter anderem an der Informationsplattform Musik und Gender im Internet beteiligt. Ebenso berät das Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main mit wertvoller Expertise. Der Verein musica femina münchen

Durch die Porträtierung von vier Komponistinnen, die im 19. Jahrhundert gelebt und gewirkt haben, lässt sich die für Frauen bedrückende Ausgangssituation zu Beginn des Jahrhunderts darstellen: eine Zeit, in der man es noch als Pflicht ansah, dem weiblichen Genie „die Flügel zu verschneiden“ (Karl Heinrich Heydenreich), und Musikerinnen wie Komponistinnen in ihrem Wirken nachhaltig behinderte. „Der zeitliche Schwerpunkt ermöglicht aber auch die Beschreibung eines Aufbruchs am Ende des Jahrhunderts: Immer mehr Frauen und Komponistinnen waren nicht länger bereit, Diskriminierungen hinzunehmen, und machten sich auf, auch auf musikalischem Gebiet Gleichberechtigung einzufordern“, erläutert Projektleiter Matthias Ehm.
Zusammen mit Ethel Smyth, Luise Adolpha le Beau sowie Emilie Mayer, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit bemerkenswertem Erfolg Sinfonien komponierte, nimmt das Festival die Tübinger Komponistin Josephine Lang in den Fokus.

Im Fokus

Josephine Lang wurde 1815 in München geboren, wuchs in einem musikalischen Haushalt auf und begann früh mit der Komposition von Kunstliedern. Felix Mendelssohn wurde auf die Begabung Langs aufmerksam und wollte sie zum Studieren nach Berlin einladen, was jedoch Langs Vater seiner Tochter untersagte. 1842 heiratete Lang den Tübinger Dichter und Rechtsgelehrten Christian Reinhold Köstlin und folgte ihm nach Tübingen. Doch das Glück währte nur kurz: Hohe familiäre Belastungen, die Krankheit und der frühe Tod Köstlins hielten Lang immer wieder vom Komponieren ab. Dennoch hinterließ sie, als sie 1880 in Tübingen starb, ein umfangreiches Werk, darunter über 300 Lieder, von denen die Hälfte bis heute unveröffentlicht ist.

Zu Ehren Josephine Langs wird als ein Höhepunkt des Festivals ein dreitägiger Gesangswettbewerb stattfinden. Insgesamt sind rund 50 Veranstaltungen geplant, hauptsächlich Konzerte mit lokalen und regionalen Musikerinnen, Musikern und Ensembles sowie hochkarätigen Gästen aus dem In-und Ausland. Hinzu kommen künstlerische und wissenschaftliche Begleitveranstaltungen, in denen auch die Frage diskutiert werden soll, wie weit die Emanzipation von Frauen im Musikbetrieb – nicht nur auf dem Gebiet der Komposition – bis heute gekommen ist. Auch in den Konzerten soll der Gegenwart Raum geboten werden: durch die Aufführung von Werken zeitgenössischer Komponistinnen, zusammen mit den Werken Langs, Mayers, le Beaus und Smyths.

1. Josephine-Lang-Liedwettbewerb

Die Universitätsstadt Tübingen hat den 1. Josephine Lang-Wettbewerb für Lied-Duo ausgeschrieben. Sänger*innen und Pianist*innen sind dazu aufgerufen, um die besten Interpretationen der Lieder Josephine Langs und ihrer Zeitgenossinnen Emilie Mayer, Luise Adolpha le Beau und Ethel Smyth zu wetteifern. Eine prominent besetzte Jury unter Vorsitz der Sängerin Sybilla Rubens entscheidet über die Vergabe der Preise im Gesamtwert von 30.000 Euro. Die Hauptpreise sind mit 5.000 bis 10.000 Euro dotiert. Dazu kommen Sonderpreise, darunter ein von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen ausgelobter Publikumspreis, den die Zuhörer*innen der Finalrunde am 3. Oktober 2023 aus den sechs Finalist*innen-Duos wählen.

Der Verein musica femina münchen vergibt einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines modernen Kunstliedes. Der 1. Josephine Lang-Wettbewerb für Lied-Duo findet vom 1. bis 3. Oktober 2023 im Rahmen des Tübinger Komponistinnenfestivals statt. Die Ausschreibung erfolgt ein Jahr vor dem Wettbewerb, damit die Lied-Duos genügend Zeit haben, das für viele vollkommen neue Repertoire zu erarbeiten. Auf eine Altersbegrenzung wurde bewusst verzichtet, auch erfahrene Lied-Duos sind ausdrücklich zur Teilnahme aufgerufen. Die Anmeldung zum Wettbewerb ist vom 15. Mai bis 15. Juli 2023 möglich. Danach entscheidet die Jury, welche Duos zum Wettbewerb nach Tübingen eingeladen werden.

Das Programm wird im April 2023 veröffentlicht. Zeitgleich startet der Kartenvorverkauf.

Pressemeldung zum Komponistinnen-Festival Tübingen (Stand: Frühling 2022)

Pressemeldung zum Liedwettbewerb Josephine Lang (Stand: Frühling 2022)

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